Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784) und die protestantische Kirchenkantate nach 1750
Internationale wissenschaftliche Konferenz

Händel-Haus Halle, 7. und 8. Juni 2010
Bach-Archiv Leipzig, 19. und 20. November 2010

Die Geschichte der evangelischen Kirchenkantate neben und nach Johann Sebastian Bach wird weithin als eine Geschichte des Niedergangs angesehen. Dieses Urteil beruht auf Prämissen, die die Musikwissenschaft bereits lange hinter sich gelassen hat. Eine gerechte Bewertung kann indes nur auf der Grundlage einer unvoreingenommenen Betrachtung des überlieferten Werkbestands erfolgen. Doch gerade hier erweisen sich bei einer eingehenden Prüfung die einschlägigen Vorarbeiten als außerordentlich lückenhaft, zu einem guten Teil auch als veraltet. Denn eine intensivere und breit angelegte Beschäftigung mit den Quellen ist seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr erfolgt. Dabei sind die Voraussetzungen seit einiger Zeit sehr günstig: Die Erschließung des Repertoires durch RISM ist weit fortgeschritten und die Datenbank ermöglicht einen bequemen Zugang.
Der älteste Bach-Sohn hat in seiner Zeit als Musikdirektor der Hallenser Marktkirche (1746–1 764) ein zahlenmäßig zwar vergleichsweise schmales, künstlerisch aber sehr bedeutendes Œuvre an Kirchenkantaten geschaffen. Um seine Werke angemessen verstehen zu können, ist es notwendig, das zeitgenössische mitteldeutsche Umfeld und die Entwicklungen innerhalb der Gattung zu betrachten. Die einzelnen Beiträge werden die vielfältigen Facetten des Themas exemplarisch beleuchten. Gefragt wird nach den Texten, der Zusammensetzung des Aufführungsrepertoires, der Entwicklung von Formen und Stilen, der Einführung alternativer Gattungen sowie den musikorganisatorischen Rahmenbedingungen und liturgie- sowie frömmigkeitsgeschichtlichen Hintergründen, nicht zuletzt auch den aufführungspraktischen Bedingungen in den protestantischen Städten und Höfen Mittel- und Norddeutschlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die Konferenz bietet über diesen thematischen Schwerpunkt hinaus aber auch die Möglichkeit zu freien Referaten über andere Bereiche des Schaffens von Wilhelm Friedemann Bach und seiner Zeitgenossen.
Als Veranstaltung der Mitteldeutschen Barockmusik e. V. bildet die zweiteilige Konferenz einen zentralen Bestandteil des thematischen Schwerpunktes der Förder- und Veranstaltungs¬aktivitäten dieses Vereins im Jahr 2010: Dazu gehören neben der Konferenz die Tage mitteldeutscher Barockmusik in Wilhelm Friedemanns Geburtsstadt Weimar vom 14. bis 16. Mai 2010 und die Förderung der Gestaltung und Wiedereröffnung des Wilhelm-Friedemann-Bach-Hauses in Halle als Museum für die Musikgeschichte Halles.

Konferenzprogramm
Händel-Haus Halle

Montag, 7. Juni 2010
9.00 Uhr Eröffnung und musikalische Einleitung


Ausführende:

Studierende des Instituts für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Albrecht Hartmann, Klavier

Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784)
„Entzünde mich, du Kraft der größten Liebe“ Arie aus der Kantate „Dies ist der Tag“ (Fk 85)
Robert Lehmann, Bass

„Dies ist der Tag“  Recitativo accompagnato aus der gleichnamigen Kantate
Marie Friebel, Sopran

„Großer Held, gewohnt zum Siegen“ Arie aus der Kantate „Auf, Christen, posaunet“ (Fk 95)
Ira Jung, Sopran

Begrüßung: Wolfgang Hirschmann,Halle

Hauptreferat: Peter Wollny, Leipzig:
„Fleißige, reine Arbeit“ oder „Abglanz einer großen Schule“? – Wilhelm Friedemann Bach und die protestantische Kirchenkantate nach 1750
>>>> ZUM ABSTRACT

Montag, 7. Juni 2010
11.00–13.00 Uhr Session I - Leitung: Wolfgang Hirschmann, Halle


Irmgard Scheitler, Würzburg:
Die Kantate als literarische Form und die Kantatentexte seit 1750
>>>> ZUM ABSTRACT

Erik Dremel, Halle:
Wilhelm Friedemann Bachs Kirchenkantaten in ihrem liturgischen Kontext
>>>> ZUM ABSTRACT

Brit Reipsch, Magdeburg:
Der deutsche Lully
Johann Christoph Stockhausens Beurteilung der Werke Georg Philipp Telemanns und anderer „ Kirchencomponisten“
>>>> ZUM ABSTRACT

Montag, 7. Juni 2010
15.00–17.00 Uhr Session II  - Leitung: Donald Burrows, Milton Keynes


Pieter Dirksen, Utrecht:

Zum Umfang des erhaltenen Orgelwerks von Wilhelm Friedemann Bach
>>>> ZUM ABSTRACT

Rüdiger Wilhelm, Braunschweig:
Wilhelm Friedemann Bach als Organist
>>>> ZUM ABSTRACT

John Roberts, San Francisco:
Souvenirs de Florence: Additions to the Handel Canon
>>>> ZUM ABSTRACT

Dienstag, 8. Juni 2010
9.00–10.30 Uhr Session III  - Leitung: Peter Wollny, Leipzig


Tobias Schwinger, Berlin:
Die Kirchenkantaten von Johann Friedrich Agricola im Archiv der Berliner Sing-Akademie
>>>> ZUM ABSTRACT

Christoph Henzel, Würzburg:
Der Wandel der Berliner Kirchenmusik nach dem Siebenjährigen Krieg
>>>> ZUM ABSTRACT

Dienstag, 8. Juni 2010
11.00–12.30 Uhr Session IV - Leitung: Irmgard Scheitler, Würzburg


Helmut Lauterwasser, München:
Bachiana et alia cantica sacra.
Eine bisher nicht beachtete Sammlung von Kirchenkantaten aus Erfurt

>>>> ZUM ABSTRACT

Maik Richter, Halle:
Kantaten, Choräle und Psalmvertonungen von Johann Friedrich Doles (1715–1797) in den Beständen der ehemaligen Ephoralbibliothek St. Marien zu Weißenfels
>>>> ZUM ABSTRACT

Dienstag, 8. Juni 2010
14.00–15.15 Uhr Session V - Leitung: John Roberts, San Francisco


Donald Burrows, Milton Keynes:
From Purcell to Handel: the English church music of William Croft
>>>> ZUM ABSTRACT

Graydon Beeks, Claremont:
“Odes & Songs on St Cecilia’s Day and Other Occasions”: A Reevaluation of William Croft as a Composer of Secular Vocal Music
>>>> ZUM ABSTRACT

Dienstag, 8. Juni 2010
15.45–17.00 Uhr Session VI  - Leitung: Wolfgang Hirschmann, Halle


Manuel Bärwald, Leipzig:
Die Kantaten von Johann Christian Roedelius
>>>> ZUM ABSTRACT

Michael Maul, Leipzig:
„di Wolff“ – kleinstädtisches Komponieren in der Mitte des 18. Jahrhunderts
>>>> ZUM ABSTRACT

Konferenzprogramm
Bach-Archiv Leipzig

Freitag, 19. November 2010
9.00–11.00 Uhr Session VII -  Leitung: Christoph Wolff, Harvard/Leipzig


Begrüßung: Christoph Wolff, Harvard/Leipzig;  Wolfgang Hirschmann, Halle

Helmut Loos, Leipzig:
Zu den Kirchenkantaten Wilhelm Friedemann Bachs
>>>> ZUM ABSTRACT

Gerhard Poppe, Dresden/Koblenz:
Ein Sohn des Thomaskantors in der kursächsischen Residenzstadt – Annotationen zum Thema „Dresden und Wilhelm Friedemann Bach“
>>>> ZUM ABSTRACT

Cordula Timm-Hartmann, Halle:
Wilhelm Friedemann Bachs Kantaten Fk 90 („O Himmel, schone“) und Fk 95 („Auf, Christen, posaunet“ ) und seine Beziehungen zur hallischen Universität
>>>> ZUM ABSTRACT

Freitag, 19. November 2010
11.30–13.00 Uhr Session VIII - Leitung: Peter Wollny, Leipzig


Stefan Keym, Leipzig:
Wilhelm Friedemann Bach und die ‚Sonatenform‘
>>>> ZUM ABSTRACT

Andreas Glöckner, Leipzig:
Die Musikpflege an den Leipziger Hauptkirchen nach 1750 − Bemerkungen zum Aufführungsrepertoire der Amtsnachfolger Johann Sebastian Bachs
>>>> ZUM ABSTRACT

Freitag, 19. November 2010
14.00–15.15 Uhr Session IX  - Leitung: Wolfgang Hirschmann, Halle


Ute Poetzsch-Seban, Magdeburg:
Zur Rezeption der Kirchenmusik Georg Philipp Telemanns in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
>>>> ZUM ABSTRACT

Ralph-J. Reipsch, Magdeburg:
Beobachtungen an Telemanns Kirchenmusik nach 1750
>>>> ZUM ABSTRACT

Freitag, 19. November 2010
15.45–17.00 Uhr Session X  - Leitung: Stefan Keym, Leipzig


Julia Heigel, Halle:
Ein Kantatenlibretto von Johann Jacob Rambach in verschiedenen Vertonungen
>>>> ZUM ABSTRACT

Uwe Wolf, Leipzig:
Überlieferung und Überlieferungswege von Kirchenmusik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Beispiel der Kantaten von Gottfried August Homilius
>>>> ZUM ABSTRACT

Sonnabend, 20. November 2010
9.00–10.30 Uhr Session XI - Leitung: Uwe Wolf, Leipzig


Christine Blanken, Leipzig:
Die Kantaten Johann Georg Reichards, Schleizer Hofkomponist, fürstlich-reußischer Rat, Stadt- und Landrichter
>>>> ZUM ABSTRACT

Tobias Rimek, Leipzig:
Die Kantaten Georg Gebels im Kontext ihrer Zeit
>>>> ZUM ABSTRACT

Sonnabend, 20. November 2010
11.00–13.00 Uhr Session XII -  Leitung: Helmut Loos, Leipzig


Wolfram Enßin, Leipzig:
„Mit Ostern fange ich mit 2 neuen Jahrgängen an“. Aspekte zu Carl Philipp Emanuel Bachs Hamburger Kantatenschaffen
>>>> ZUM ABSTRACT

Kathrin Eberl-Ruf, Halle:
Untersuchungen zum Bestand protestantischer Kirchenkantaten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Marienbibliothek zu Halle
>>>> ZUM ABSTRACT

Roundtable -  Mitarbeiter des Bach-Archivs:
Johann Sebastian Bachs letztes Lebensjahr


Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei; eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Rahmenprogramm

Tage Mitteldeutscher Barockmusik vom 14. bis 16. Mai 2010 in Weimar
Thema: „Zwischen Himmelsburg und Fürstenlob. Musikpflege im barockem Weimar“
Das Programm finden Sie unter www.mitteldeutsche-barockmusik.de.

Montag, 7. Juni 2010, 17.30 Uhr, Halle

Führung durch die Ausstellung zur Musikgeschichte der Stadt Halle im Wilhelm-Friedemann-Bach-Haus
Die Ausstellung wurde gefördert durch die Mitteldeutsche Barockmusik e. V. aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Die Veranstaltungen der Händel-Festspiele finden Sie unter www.haendelfestspiele.halle.de.

Freitag, 19. November 2010, 20.00 Uhr, Bach-Museum Leipzig, Sommersaal
Kammerkonzert zum Symposium
Musik für Flöte und Cembalo von Wilhelm Friedemann Bach
Wilbert Hazelzet, Traverflöte
Nicholas Parle, Cembalo
Karten: € 12,00 / ermäßigt: € 8,00 (inkl. VVK-Gebühr)

Sonnabend, 20. November 2010, 20.00 Uhr, Altes Rathaus Leipzig, Festsaal
Bachische Abend-Musick - „… der hochbegabte, wunderliche Liebling des Vaters“
Wilhelm Friedemann Bach zum 300. Geburtstag
Neues Bachisches Collegium Musicum
Karten: € 15,00 / ermäßigt: € 10,00 (inkl. VVK-Gebühr)

Sonntag, 21. November 2010, 15.00 Uhr, Bach-Museum Leipzig, Sommersaal
Kammerkonzert zum Symposium - Aus dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedmann Bach
Preisträger im Fach Cembalo des XVII. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb 2010
Peter Wollny, Moderation
Karten: € 12,00 / ermäßigt: € 8,00 (inkl. VVK-Gebühr)
Informationen zur Kartenbestellung finden Sie unter www.bach-leipzig.de.

Veranstalter:
Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V.

Kooperationspartner:
Stiftung Händel-Haus Halle
Bach-Archiv Leipzig
Universität Leipzig, Institut für Musikwissenschaft
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Musik, Abteilung Musikwissenschaft
Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft (Internationale Vereinigung) e. V.

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wolfgang.hirschmann@musikwiss.uni-halle.de
Dr. Christina Siegfried, Mitteldeutsche Barockmusik e. V., mailto:christina.siegfried@staendige-konferenz-mbm.dechristina.siegfried@mitteldeutsche-barockmusik.de
Dr. Peter Wollny, Bach-Archiv Leipzig, wollny@bach-leipzig.de
Dr. Konstanze Musketa, Stiftung Händel-Haus Halle, konstanze.musketa@haendelhaus.de.

Informationen:
www.mitteldeutsche-barockmusik.de
www.haendelhaus.halle.de
www.bach-leipzig.de

Veranstaltungsorte:

Händel-Haus
Große Nikolaistraße 5
06108 Halle

Bach-Archiv Leipzig
Thomaskirchhof 15/16
04109 Leipzig





ABSTRACTS

Peter Wollny, Leipzig:
„Fleißige, reine Arbeit“ oder „Abglanz einer großen Schule“? – Wilhelm Friedemann Bach und die protestantische Kirchenkantate nach 1750

Nach einer weit verbreiteten Auffassung durchlief die Gattung der protestantischen Kirchenkantate nach dem Tode Johann Sebastian Bachs eine Phase des Niedergangs und Verfalls. Diese Einschätzung erscheint jedoch zunehmend fragwürdig. Wissenschaft und Praxis erschließen seit geraumer Zeit die Werke der führenden Meister aus der Generation der Bach-Söhne und -Schüler, erkunden deren Wirkungsgeschichte und musikalisches Umfeld und fragen nach ästhetischen Zielsetzungen und spezifischen Voraussetzungen. So wird deutlich, dass die fünf Jahrzehnte zwischen etwa 1735 und 1785 sich im Blick auf die Gattung der Kantate als eine eigenständige und vielschichtige Periode darstellen, die einer grundlegenden Neubewertung bedarf. Der Vortrag unternimmt – als Einführung in die Thematik der Tagung – den Versuch, die wesentlichen Merkmale der nach-Bachschen Kirchenkantate zu charakterisieren und fragt sodann nach dem besonderen Stellenwert und künstlerischen Rang des Kantatenschaffens Wilhelm Friedemann Bachs. In den Blick treten damit zugleich die komplexen Verbindungslinien und Affinitäten zu früheren und zeitgenössischen Vorbildern, die das geistliche Vokalschaffen des ältesten Bach-Sohns prägten.
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Irmgard Scheitler, Würzburg:
Die Kantate als literarische Form und die Kantatentexte seit 1750

Der von Neumeister zu Beginn des 18. Jahrhunderts in die Kirchenmusik eingeführte Typus der „ Cantate“ war ebenso eine musikalische wie eine poetische Form. Ihre dichterische Gestaltung und die daraus resultierenden Anstöße für die Komposition wurden als Vorteile gegenüber den älteren Formen des Kirchenstücks empfunden. Cantaten wurden zu einer Modegattung. Bis etwa zur Jahrhundertmitte war der Name „Cantata“ auf Texte beschränkt, die einzig aus Rezitativen und Arien bestanden und nicht dramatisch abgefasst waren. Es zeigt sich aber, dass speziell in der Kirchenmusik jene Werke weit überwogen, die wieder Choräle und Dicta heranzogen.
Obwohl schon Hunold-Menantes in seinen geistlichen ebenso wie in seinen weltlichen Cantaten den aktuellen „galanten“, sprachlich glatten und klaren Stil einführte, hielten sich im kirchlichen Bereich auch mehr dem Barockstil zuneigende Poesien. Bei Wilhelm Friedemann Bachs Textauswahl fällt eine Neigung zu Vorlagen auf, die in ihrem Schwulst oder ihrer pietistischen Metaphorik nicht ganz auf der Höhe der Literaturentwicklung stehen. Möglicherweise kamen diese Texte seiner musikalischen Expressivität entgegen.
Dichter bevorzugten um die Jahrhundertmitte längst weltliche Sujets oder Festanlässe für ihre Cantaten. Die Texte zur Kirchenmusik wandten sich von der Cantate als literarischer Vorlage ab. Nicht nur hatten sich gemischte Formen durchgesetzt, vielmehr war das Rezitativ kein fester Bestandteil mehr, noch weniger die Dacapo-Arie. Stattdessen wurden Psalmen, Choräle oder Lieder zu „ Kantaten“ ausgebaut. Die Bezeichnung „Kantate“ meint im kirchlichen Zusammenhang seit 1750 überwiegend die musikalische Faktur, nicht die textliche.
Eine rare Ausnahme bilden poetische Kantaten für kirchliche Anlässe von Herder und Lenz. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind Kirchenkantaten in der Regel anonym und literarisch weniger ambitioniert. Auf weltlichem Gebiet jedoch beschäftigen sich bis ins 19. Jahrhundert hinein bekannte deutsche Dichter mit dieser Form; dies gilt v. a. für enkomiastische Anlässe, für die die Kantate die Gattung schlechthin zu sein scheint. Zumindest für einige dieser Aufführungen wird man auch einen kirchlichen Rahmen annehmen dürfen.
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Erik Dremel, Halle:
Wilhelm Friedemann Bachs Kirchenkantaten in ihrem liturgischen Kontext

 Bachs Kirchenkantaten für die hallischen Stadtkirchen werden in diesem Referat auf ihre liturgischen Funktionen hin untersucht und kontextualisiert. Dazu werden die relevanten Agenden, Kirchen-, Schul- und Chorordnungen herangezogen, wobei stets zu fragen bleibt, an welchen Stellen sich Bach von deren Positionen und Vorgaben gelöst hat. Für einen vertieften Einblick in Bachs gottesdienstliches Verständnis werden auch die Leipziger und Dresdner Ordnungen vergleichend mit einbezogen, die Bach kannte und mit denen er gearbeitet hat.
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Brit Reipsch, Magdeburg:
Der deutsche Lully
Johann Christoph Stockhausens Beurteilung der Werke Georg Philipp Telemanns und anderer „ Kirchencomponisten“

Im Jahre 1758 veröffentlichte Johann Christoph Stockhausen (1725–1784) die zweite Auflage seines Critischen Entwurfs einer auserlesenen Bibliothek, für den Liebhaber der Philosophie und schönen Wissenschaften. Darin widmete er erstmals auch der Musik ein umfangreiches „Sendschreiben“, um „von dem Zustande und dem Geschmack der heutigen Musik etwas zu sagen“. Ähnlich den späteren Arbeiten von Johann Adam Hiller und Christoph Daniel Ebeling entstand ein musikalischer Empfehlungskatalog, den Stockhausen in der vierten Auflage, Berlin 1771, durch einen umfänglichen, kommentierenden Apparat erweiterte. Im Hinblick auf die Kirchenmusik erwähnt der Autor fast ausschließlich deutsche Komponisten wie Stölzel, Fasch, Rolle, Homilius und Agricola und bescheinigt vor allem Georg Philipp Telemann, den er „als deutschen Lully“ tituliert, eine Sonderstellung. Der Tagungsbeitrag setzt sich mit Stockhausens Beurteilung auseinander, versucht Einflüsse und Nachwirkungen dieser Arbeit, die ein Jahr später von Johann Joachim Eschenburg heftig kritisiert wurde, aufzuzeigen.
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Pieter Dirksen, Utrecht:
Zum Umfang des erhaltenen Orgelwerks von Wilhelm Friedemann Bach

Obwohl Wilhelm Friedemann Bach einen legendären Ruf als Organist besaß, sind nur wenige Orgelwerke von ihm überliefert worden. Aber sogar dieser kleine Bestand kommt nicht ganz ohne Echtheitsprobleme davon, und von einem Stück – einem Trio über „Allein Gott in der Höh’ sei Ehr“ – ist der Notentext selbst angeblich unauffindbar. Eine erneute Sichtung dieser Werkgruppe erscheint daher geboten. Daneben werden ein paar weitere Werke aus der sehr breiten Bach-Überlieferung auf eine mögliche Beziehung zu Wilhelm Friedemann hin befragt.
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Rüdiger Wilhelm, Braunschweig:
Wilhelm Friedemann Bach als Organist

Obwohl Wilhelm Friedemann Bach zu Lebzeiten als Organist überregionales Ansehen genoss, ist von ihm nur ein kleines Œuvre an Orgelkompositionen (Pedaliter-Fugen und Choralvorspiele) überliefert. Das mag daran liegen, dass er mehr improvisiert und nur wenig aufgeschrieben hat. Auch die Nachrichten über sein Spiel bei Bewerbungen um Organistenstellen und bei öffentlichen Konzerten sind z. T. nur in entlegenen Publikationen zugänglich (Zum Vortrag wird eine Übertragung dieser Berichte, größtenteils direkt nach den Quellen, vorgelegt.)
Der Beitrag untersucht charakteristische Merkmale der Orgelfugen und Choralvorspiele Wilhelm Friedemann Bachs. Durch den Vergleich der Clavier-Fantasien des ältesten Bach-Sohnes mit der g-Moll-Fantasie für Orgel BWV 542 seines Vaters und den Praeludien, Fantasien und Skizzen der Bachschüler J. Chr. Kittel und J. G. Müthel wird versucht aufzuzeigen, (1) wie Wilhelm Friedemann Bach als Improvisator von freien Fantasien womöglich ausgebildet wurde und wie er selbst seine Schüler darin unterrichtet haben mag, (2) dass Wilhelm Friedemann Bachs Clavierfantasien weiter ausgearbeitete Niederschriften seiner aus dem Stegreif improvisierten Einfälle und keine vorher ausgearbeiteten Kompositionen sind und (3) dass seine nicht erhaltenen Orgelfantasien denen von Müthel sehr ähnlich gewesen sein dürften.
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John Roberts, San Francisco:
Souvenirs de Florence: Additions to the Handel Canon

In the 2006 Händel-Jahrbuch Andrew Jones described a Florentine manuscript in Cambridge that preserves a cantata entitled “Amore uccellatore,” consisting of Handel’s cantatas “Venne voglia ad Amore” (HWV 176) and “Vedendo Amor” (HWV 175) followed by five additional arias with intervening recitatives. Based on musical analysis of the additional material and comparison of the versions of the two known cantatas with those in the autographs, Jones questioned whether the amalgamated work could be by Handel. Several concordances between the new arias and other music by Handel, however, demonstrate conclusively that they are his. He must have composed “Amore uccellatore” in Venice or Florence before coming to Rome and then extracted and revised two sections to suit the Roman taste for shorter cantatas.
The overture to Rodrigo was probably composed in Venice around 1706 as a free-standing orchestral suite. Apparently without Handel’s knowledge, most of the movements were used as incidental music for performances of Ben Jonson’s play The Alchemist at London’s Haymarket Theatre in January 1710. A “Prelude” that figures in Walsh’s edition of the Alchemist music does not belong to the Rodrigo overture and has usually been ignored. But this movement too must be Handel’s since it evidently served as the basis of the B-flat major March in Rinaldo in its original form. It may well have introduced a scene in Rodrigo, in which case a complete score of Handel’s Florentine opera perhaps reached England as early as 1709.
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Tobias Schwinger, Berlin:
Die Kirchenkantaten von Johann Friedrich Agricola im Archiv der Berliner Sing-Akademie

Mit der Rückkehr des Archivs der Berliner Sing-Akademie stehen der Forschung auch bedeutende Quellenkomplexe zur Berliner Musiküberlieferung wieder zur Verfügung. Dazu zählen auch neun Kirchenkantaten von Johann Friedrich Agricola (1720–1774), die dort, überwiegend im Autograph, überliefert sind. Das Material macht deutlich, dass Agricola – wie auch andere Berliner Kapellmusiker – regelmäßig Kompositionen für die Ausgestaltung der Gottesdienste in der lutherischen Stadtkirche St. Petri in Cölln beisteuerte. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, inwieweit das (auch über Agricola hinausgehend) im Archiv überlieferte Material Hinweise für eine ansatzweise Rekonstruktion der kirchenmusikalischen Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Berlin bereithält.
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Christoph Henzel, Würzburg:
Der Wandel der Berliner Kirchenmusik nach dem Siebenjährigen Krieg

Über die kirchenmusikalische Praxis in Berlin im 18. Jahrhundert ist vor allem aus Mangel an Noten und Archivalien kaum etwas bekannt. Der Beitrag versucht aufgrund der im Notenarchiv der Singakademie zu Berlin überlieferten Musikalien sowie der Anzeigen und Nachrichten in den Berliner Tageszeitungen eine grobe Topographie der Kirchenmusik zu entwerfen. Er konzentriert sich dabei auf den Zeitraum des Aufenthalts Wilhelm Friedemann Bachs in Berlin. Dabei zeigt sich der Funktionswandel von der liturgischen Gottesdienstmusik zur erbaulichen geistlichen Konzertmusik.  
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Helmut Lauterwasser, München:
Bachiana et alia cantica sacra.
Eine bisher nicht beachtete Sammlung von Kirchenkantaten aus Erfurt

Als im Jahr 2009 die Katalogisierung von Musikhandschriften der ehemaligen Kirchen-Ministerialbibliothek Celle für RISM (Répertoire International des Sources Musicales) in Angriff genommen wurde, war nicht zu erwarten, dass sich darunter eine Sammlung von ca. 150 Kirchenkantaten und Psalmvertonungen befindet, die der frühere Celler Kantor Heinrich Wilhelm Stolze (1801–1868) von seinem Vater Georg Christoph Stolze (1762–1830), der zunächst Kantor an der Erfurter Michaeliskirche, dann an der Predigerkirche war, übernommen hat. In diesem Bestand befinden sich zahlreiche Kantaten, die Stolze zwischen 1787 und 1827 in Erfurt aufgeführt hat, häufig mit genauen Aufführungsdaten versehen. Eine nicht ganz unwichtige Abschrift der Partitur einer Bach-Kantate ist zwar seit etlichen Jahren verschwunden (was der Bachforschung bekannt ist), aber ansonsten wurde diese Sammlung von der Forschung bisher nicht beachtet, wohl weil niemand vermutet hat, dass sich unter dem Celler Stolze-Nachlass zahlreiche Erfurter Musikalien des 18. Jahrhunderts befinden, darunter bisher nicht nachgewiesene Vokalwerke von Johann Michael Bach, Georg Benda, Doles, Krebs, Carl Friedrich Christian Fasch und einiger Kleinmeister, darunter auch Schüler und „Enkel-Schüler“ Johann Sebastian Bachs. Insgesamt ist in dem Bestand die Praxis gottesdienstlicher Kantaten- und figuraler Psalmaufführungen über die genannten Jahrzehnte hinweg recht umfassend dokumentiert. Der Vortrag soll einen Überblick über das Kantaten-Repertoire geben und Tendenzen protestantischer gottesdienstlicher Musik um 1800 am Beispiel einer bedeutenden Erfurter Kirche aufzeigen.
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Maik Richter, Halle:
Kantaten, Choräle und Psalmvertonungen von Johann Friedrich Doles (1715–1797) in den Beständen der ehemaligen Ephoralbibliothek St. Marien zu Weißenfels

Die von Johann August Gärtner im letzten Quartal des 18. Jahrhunderts vom Naumburger Domkantor Johann Andreas Meyer erworbene Musikaliensammlung, welche heute als Depositum der ehemaligen Ephoralbibliothek St. Marien im Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels aufbewahrt wird, beinhaltet neben vier Kantaten auch ein deutsches „Te Deum laudamus“, je eine Vertonung der Psalmen 96 und 111 sowie zwei mit „Choral“ überschriebene Kompositionen. Gefragt werden soll einerseits nach den Kantatentexten bzw. nach der Verarbeitung älterer Choraltexte in diesen Werken des Leipziger Thomaskantors sowie danach, inwieweit die jeweiligen Werke für Aufführungen im Naumburger Dom bzw. in der Weißenfelser Marienkirche bearbeitet wurden. Andererseits sollen die Werke auf ihre jeweilige Gattungszugehörigkeit geprüft und auf ihre liturgischen Funktionen hin untersucht werden.
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Donald Burrows, Milton Keynes:
From Purcell to Handel: the English church music of William Croft

In the same way that Wilhelm Friedemann Bach’s career occurred at a time of transition between “Baroque” and “Classical” musical styles, so William Croft in the early eighteenth century experienced in succession the influence of two distinct musical idioms. In Croft’s case, this involved direct contact in London with the music of Henry Purcell and George Frideric Handel. Croft was educated as a Child of the Chapel Royal, trained by John Blow, Purcell’s own teacher: he was nearly 17 years old when Purcell died, and probably performed in his last court odes. After an interlude in which he wrote music for London plays, Croft returned to the Chapel Royal as Composer, Organist and Master of the Children and his career thereafter centred on the Chapel’s routine daily services, for which he contributed many organ-accompanied anthems.
Only 15 years separated Purcell’s death from Handel’s arrival in London, at which time Croft was probably regarded as the most respected composer of English church music. The remaining 17 years of Croft’s life saw a complex interaction between Croft and Handel in the composition of English church music, particularly in the repertory of orchestrally-accompanied pieces for celebratory services connected with the court. There was musical interaction as well, and Croft was clearly influenced by the new style that Handel brought to London: he revised his settings of the Te Deum and Jubilate after hearing Handel’s “Utrecht” music in 1713, and in his orchestrally-accompanied anthems there is a progression towards a more modern style. Croft’s reputation as a “grave and decent man” has tended to take attention away from the more ambitious and extrovert music in his orchestrally-accompanied pieces, which reflect the successive influences of the canticle settings by Purcell and Handel.
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Graydon Beeks, Claremont:
“Odes & Songs on St Cecilia’s Day and Other Occasions”: A Reevaluation of William Croft as a Composer of Secular Vocal Music

The composer William Croft (1678–1727) is generally associated with sacred music. Raised as a child of the Chapel Royal, he spent almost his entire career in that institution, remaining after his voice broke in the capacity of a music copyist; becoming Gentleman Extraordinary in 1700; joining Jeremiah Clarke as organist in 1704; and becoming composer and Master of the Choristers on the death of his teacher John Blow in 1708. His activity as a composer of secular music is generally thought to have been concentrated in the first few years of the 18th century when he wrote songs and incidental music for the London theaters. Some of this music was published, while a few pieces survived only in manuscript.
In 1986 Donald Burrows and I noticed that a manuscript in the William Andrews Clark Library in Los Angeles (US-LAc MS f0235 M4 [17--]), hitherto considered only to be an unimportant source of music by Henry Purcell, contained a number of otherwise unknown secular vocal works by Croft. These pieces indicate that he was active in the secular sphere for a much longer period – perhaps into the 1720s – and may constitute a retrospective survey of this repertoire compiled either shortly before or shortly after the composer’s death by the former Chapel Royal chorister John Barker, either for himself or for one of Croft’s patrons.
The earliest piece to be composed was most likely “A Song on St Cecilia’s Day.” It is modeled on Purcell’s final St Cecilia Ode, “Hail, Bright Cecilia,” in the initial performance of which Croft is likely to have taken part. The text begins “The heavn’ly warlike goddess now disarm’d ” and later refers to “gainfull peace,” which suggests that it was written subsequent to the Peace of Ryswick in September 1697. No contemporary performance is known.
The Clark manuscript also contains two otherwise unknown chamber cantatas, both of which likely date from the first years of the 18th century. “When love disturbs my waking thoughts,” for three men’s voices and strings, could have been written for the theater or for a public concert. “ For Rural and Sincerer Joys,” for soprano and strings, may have been used in a revival of Colley Cibber’s Love Makes a Man, first performed in 1701. There are also copies of two previously known works, an Ode for Queen Anne’s Birthday which seems to date from 1713 or 1714, and “Mr. Dolben’s Song” which was performed in connection with the wedding of Croft’s principal patron, Sir John Dolben, at Finedon, Northants in 1719.
The final and in many ways most interesting work is simply entitled “An Ode” and scored for solo voices and continuo. The text, beginning “While o’er these Realms peace spreads her balmy wings” and later referring to “Great George,” would seem to be appropriate for either New Years Day or the King’s Birthday. The most likely year is 1721 when the dynastic and political situation seems closely to match the references in the text. Even if this ode were not performed at Court, it most likely represents an attempt by Croft to raise his profile in the face of increasing competition from Maurice Greene and George Frideric Handel.
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Manuel Bärwald, Leipzig:
Die Kantaten von Johann Christian Roedelius

Der Kantor und Direktor Musices der Stadt Lieberose (Niederlausitz), Johann Christian Roedelius, veröffentlichte in den 1740er und 1750er Jahre in den Leipziger Zeitungen zahlreiche Annoncen, in denen er ein sich ständig erweiterndes Repertoire an Kirchenmusiken und Klavierwerken, die „nach heutigem Goût componiret“, als Druckexemplare und Abschriften „denen Liebhabern“ zum Kauf anbot. Haben sich von seinen Musikdrucken wohl keine Exemplare erhalten, so überliefert doch der umfangreiche Notenbestand der Grimmaer Fürstenschule zwei seiner Osterkantaten in zeitgenössischen Abschriften. Diese sollen neben allgemeinen Fragen zum Handel mit Notenmanuskripten unter den mitteldeutschen Kantoren des 18. Jahrhunderts im Zentrum meiner Untersuchungen stehen.
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Michael Maul, Leipzig:
„di Wolff“ – kleinstädtisches Komponieren in der Mitte des 18. Jahrhunderts

Im Kantoreiarchiv des sächsischen Städtchens Mügeln haben sich eine Reihe von Kantaten „di Wolff“ erhalten – klein besetzte Kompositionen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die ideal auf die Mügelner Musizierbedingungen abgestimmt scheinen, jedenfalls damals sehr häufig musiziert wurden. Wer verbirgt sich hinter jenem „Wolff“, der seinerzeit offenbar noch eine Reihe weiterer Orte in der Größe Mügelns mit Musikalien versorgte, und unter welchen Bedingungen entstanden seine Kompositionen? Welche Strategien verfolgte er beim Komponieren, und für welchen Rezepientenkreis schuf er seine Werke? Diesen Fragen soll im Referat nachgegangen werden. Zugleich bietet die Fallstudie das Porträt eines kleinstädtischen Komponisten, der sich stilistisch auf eher traditionellen Pfaden bewegte, fernab vom empfindsamen modernen Kirchenstil eines Graun oder der Bach-Söhne und -Schüler.
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Helmut Loos, Leipzig:
Zu den Kirchenkantaten Wilhelm Friedemann Bachs

Die Musiksprache von Kirchenstücken ist vom Text und dem liturgischen Ort ihrer Aufführung her geprägt. Eine lange Tradition hat eigene Gattungen der Kirchenmusik hervorgebracht, die von diesen Komponenten geprägt sind. Sie haben sich über Epochenwechsel hinweg gehalten, allerdings durchaus zeitspezifische Formen angenommen. Ihre eigene Gestaltung ist durch bestimmte Komponisten und ihr kirchliches Umfeld geprägt. Besonders hervorstechende Eigenschaften weist die Gattungstradition für das Weihnachtsfest auf, aber auch die Passion und Ostern besitzen eigene musikalische Kennzeichen. Wie Wilhelm Friedemann Bach mit diesen Fragen umgegangen ist, wird im vorliegenden Beitrag nachgezeichnet.
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Gerhard Poppe, Dresden/Koblenz:
Ein Sohn des Thomaskantors in der kursächsischen Residenzstadt – Annotationen zum Thema „ Dresden und Wilhelm Friedemann Bach“

Innerhalb der Lebensgeschichte von Wilhelm Friedemann Bach bedeutete die Übernahme des Organistenamtes an der Dresdner Sophienkirche die erste feste Anstellung und zugleich den Beginn einer fast dreizehn Jahre dauernden Begegnung mit dem Musikleben in der kursächsischen Residenzstadt. Letzteres diente in der älteren und neueren Literatur aber vorwiegend als Folie für Überlegungen zur Biographie und möglichen „Einflüssen“, während die Frage nach dem Platz des ältesten Bachsohnes in der (höfischen und städtischen) Dresdner Szenerie bisher kaum gestellt wurde. Neuere Forschungen zur Geschichte der Dresdner Hofkapelle in den 1730er und 1740er Jahren, aber auch die offenen Fragen zur städtischen Musikpraxis bieten Ansatzpunkte, um die Situation von Wilhelm Friedemann Bach in seinen Dresdner Jahren genauer einschätzen zu können.
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Cordula Timm-Hartmann, Halle:
Wilhelm Friedemann Bachs Beziehungen zur hallischen Universität und seine Kantaten Fk 90 („O Himmel, schone“) und Fk 95 („Auf, Christen, posaunet“)

Die Kantaten Fk 90 und 95 gehören zu den Vokalwerken Wilhelm Friedemann Bachs, die aufgrund ihres Entstehungsanlasses genau datierbar sind. „O Himmel, schone“ (Fk 90) steht als Komposition anlässlich einer akademischen Feier zum Geburtstag Friedrichs des Großen 1758 in enger Verbindung zur hallischen Universität; für „Auf, Christen, posaunet“ (Fk 95) könnte als Festmusik zu einer Friedensfeier 1763 ein vergleichbarer Zusammenhang nahe liegen. Im Referat soll anhand dieser Kantaten nach den Beziehungen Wilhelm Friedemann Bachs zur Alma mater halensis gefragt und somit sein Wirken in Halle über sein Amt als Organist der Marienkirche und Director musices hinaus betrachtet werden.
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Stefan Keym, Leipzig:
Wilhelm Friedemann Bach und die „Sonatenform“

Wilhelm Friedemann Bach gilt neben seinem Bruder Carl Philipp Emanuel als einer der Pioniere der Klaviersonate – sowohl hinsichtlich ihrer dreisätzigen zyklischen Anlage als auch bei der Form der einzelnen Sätze. Dass sich das Konzept der „Sonatenhauptsatzform“, das Theoretiker des 19. Jahrhunderts von der Instrumentalmusik der Wiener Klassiker, insbesondere Beethovens, abstrahierten, auf Sonatensätze des mittleren 18. Jahrhunderts nur sehr eingeschränkt anwenden lässt, dürfte in der Forschung inzwischen Konsens sein. Dennoch mangelt es immer noch an Ansätzen zur Analyse dieser Musik, deren Epoche retrospektiv als „Übergangszeit“ erscheint.
Im geplanten Beitrag soll aufbauend auf die grundlegenden Arbeiten von Martin Falck und Peter Wollny nach einem derartigen Ansatz gesucht werden. Dabei werden neben Klaviersonaten auch andere zyklische Instrumentalwerke Wilhelm Friedemann Bachs einbezogen (Sinfonien, Klavierkonzerte). Außerdem sollen in einer vergleichenden Perspektive Gattungsbeiträge Carl Philipp Emanuel Bachs und anderer nord- und mitteldeutscher Komponisten der Zeit mit berücksichtigt werden.
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Andreas Glöckner, Leipzig:
Die Musikpflege an den Leipziger Hauptkirchen nach 1750 − Bemerkungen zum Aufführungsrepertoire der Amtsnachfolger Johann Sebastian Bachs

Schon in den 1730er Jahren hatte Johann Sebastian Bach in zunehmendem Maße Kirchenwerke seiner Zeitgenossen aufgeführt. In noch viel stärkerem Maße haben seine Amtsnachfolger von dieser Praxis Gebrauch gemacht. Offenbar sahen sie die Komposition von Kirchenwerken nicht mehr als ihre vorrangige Aufgabe und Verpflichtung im Amt an. Vor diesem Hintergrund erklärt sich vielleicht auch der Erwerb aller Originalstimmen von Bachs Choralkantatenjahrgang für die Thomasschule im August 1750. Der Leipziger Rat sah sich dazu offenbar veranlasst, da der Nachfolger (Gottlob Harrer) in seinem bisherigen Amt als Kapellmeister des Dresdner Grafen von Brühl keine einschlägigen Werke geschaffen hatte. Neueren Erkenntnissen zufolge komponierte auch Johann Friedrich Doles nur noch gelegentlich Kirchenstücke. Überwiegend musizierte er solche aus der Feder anderer Komponisten (Caldara, Ristori, Telemann, Graun, Hasse, Stölzel, Gebel, Carl Philipp Emanuel und Johann Sebastian Bach, Cambini, Brixi, Haydn, Hofstetter oder Seydelmann). Sein Amtsnachfolger Johann Adam Hiller ging diesbezüglich noch weiter, indem er als Hauptmusic im Gottesdienst anstelle vollständiger Figuralstücke auch Einzelsätze aus Oratorien und Kantaten der Zeitgenossen zur Aufführung brachte. Mitunter fehlte diesen jeglicher Bezug zur Evangelien- und Epistellesung des jeweiligen Sonn- oder Feiertags. Der Bruch mit der traditionellen Kirchenmusikpflege scheint damit endgültig vollzogen.
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Ute Poetzsch-Seban, Magdeburg:
Zur Rezeption der Kirchenmusik Georg Philipp Telemanns in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Bereits 1965 hat Werner Braun darauf hingewiesen, dass nicht nur im Repertoire von Wilhelm Friedemann Bachs halleschem Amtsvorgänger Gottfried Kirchhoff Werke Georg Philipp Telemanns eine Rolle gespielt haben, sondern auch in dem Bachs selbst. Doch nicht nur in Halle, wo der Director musices Bach durch persönlich-familiäre Beziehungen mit Telemann verbunden war, war Telemann als Komponist von Kirchenmusik präsent. Es gibt zahlreiche Hinweise dafür, dass es im gesamten lutherischen Raum, in großen wie an kleinen Orten eine lebendige und vielseitige Telemann-Rezeption gegeben hat. Dabei sind sowohl retrospektive wie auch aktuelle Akzente auszumachen.
In einer ersten stichprobenartigen Sichtung soll gezeigt werden, wo und in welcher Weise sich Kirchenmusik von Telemann – Jahrgänge, aber auch Einzelstücke wie etwa die so genannten „ Choralkantaten“ – teilweise anhaltender oder besonderer Beliebtheit erfreute.
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Ralph-Jürgen Reipsch, Magdeburg:
Beobachtungen an Telemanns Kirchenmusik nach 1750

Telemanns Hamburger Aufführungskalender der „ordentlichen Kirchenmusiken“ ab 1750 zeigt, dass neue und ältere Werke gleichermaßen Verwendung fanden. Dieses Nebeneinander von Kompositionen, die teilweise bereits mehrere Jahrzehnte alt waren, und jenen, die unter dem Einfluss aktueller dichterischer, theologischer und musikalischer Strömungen geschaffen wurden, erzeugte ein bemerkenswertes Spannungsfeld.
Neben der eigentlichen, aus Dicta, Arien, Kirchenliedern und Rezitativen bestehenden Kantate, die nach wie vor eine zentrale Position einnimmt, gerät in den 1750er Jahren auch die strophische Ode in verschiedenen Ausprägungen noch einmal in Telemanns Blickfeld. Der Einfluss eines neuen Tons in der Dichtung (Klopstock, Ramler), aber auch formale Veränderungen, werden für Telemanns späte Kirchenkompositionen durchaus relevant.
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Julia Heigel, Halle:
Ein Kantatenlibretto von Johann Jacob Rambach in verschiedenen Vertonungen

Der pietistische Theologe Johann Jacob Rambach veröffentlichte im Jahre 1720 in Halle den Kantatenjahrgang „Geistliche Poesien“. Mehr als 30 Komponisten im gesamten deutschsprachigen protestantischen Raum vertonten Kantaten aus diesem Jahrgang.
Interessanterweise griffen zahlreiche Komponisten auch nach 1750 auf Rambachs Texte zurück, so auch Wilhelm Friedemann Bach, von dem zwei Kantaten und eine Arie auf Texte von Rambach erhalten sind. Ein Vergleich unterschiedlicher Vertonungen eines Kantatentexts, der neben Wilhelm Friedemann Bach von vier weiteren Komponisten vertont wurde, soll Aufschluss über Entwicklung und Faktur der Kantate im 18. Jahrhundert geben.
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Uwe Wolf, Leipzig:
Überlieferung und Überlieferungswege von Kirchenmusik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts am Beispiel der Kantaten von Gottfried August Homilius

Die Kantaten einiger bevorzugter Komponisten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren zu ihrer Zeit weit über den gesamten deutschsprachig-protestantischen Raum verbreitet. Davon zeugen noch heute vor allem zahllose Abschriften, vereinzelt auch Texthefte und Besitzkataloge. Zu den am weitesten ausstrahlenden Kirchenkomponisten der Zeit gehört der Dresdner Kreuzkantor Gottfried August Homilius (1714–1785). Etwa 1400 Abschriften der insgesamt 180 Kantaten des Dresdner Kantors zeugen noch heute von der einstigen Verbreitung der Werke, doch ist dies sicher nur ein Rest einer einst weit größeren Überlieferung (allein bei den Autographen sind Verluste von mindestens 98% zu beklagen).
Anhand überlieferter Kopier- und Aufführungsdaten können dennoch auch heute noch Grundzüge der Ausbreitung jener Kantaten aufgezeigt werden. Fassungs- und Lesartendifferenzen (ermittelt bislang nur an einigen ausgewählten Kantaten), teilweise auch Schreiberbestimmungen und Schriftanalysen lassen zudem Überlieferungsgruppen erkennen und Rückschlüsse auf Ausbreitungswege zu, die möglicherweise auch über Homilius hinaus von Bedeutung waren.
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Christine Blanken, Leipzig:
Die Kantaten Johann Georg Reichards, Schleizer Hofkomponist, fürstlich-reußischer Rat, Stadt- und Landrichter

Acht Kantaten von Johann Georg Reichard (1710–1782) und sieben Abschriften von ihm mit Vokalwerken anderer Komponisten sind im Notenbestand der ehemaligen Fürstenschule Grimma überliefert.
Der 1710 in Oels [Olesnica]/Schlesien (unweit von Breslau) geborene Reichard studierte ab 1732 Rechtswissenschaften in Leipzig und war dann am Hofe der Fürsten zu Reuß-Schleiz tätig, wo er wohl ab etwa 1756 auch die Nachfolge Johann Sebastian Kochs als Direktor der Hofkapelle antrat.
Neben einigen Instrumentalwerken bilden die Grimmaer Quellen den Restbestand, der sich von der Hofmusik der Fürsten zu Reuß-Schleiz (jüngere Linie) erhalten hat. Aufgrund des fast kompletten Verlustes musikalischer sowie archivalischer Quellen in Schleiz überhaupt durch die Zerstörung des Schlosses im Jahre 1945 kommt diesen Quellen ein besonderer Wert zu.
Einige der Kantaten J. G. Reichards sind nur in der Bearbeitung durch seinen Sohn, den Grimmaer Schulkantor Heinrich Gottfried Reichard (1742–1801), überliefert. Wie Aufführungsdaten belegen, haben Vater und Sohn offensichtlich eng zusammengearbeitet; es handelt sich hier nicht um den Nachlass des Vaters, sondern um Werke, die bereits kurz nach ihrer Schleizer Aufführung in Grimma Verwendung fanden, wenn auch in umgearbeiteter Form.
Das Referat widmet sich neben stilistischen Fragen auch biographischen Bezügen Reichards zu anderen Komponisten seiner Zeit.
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Tobias Rimek, Leipzig:
Die Kantaten Georg Gebels im Kontext ihrer Zeit

Georg Gebel d. J. (1709–1753), Kapellmeister am Hof zu Rudolstadt, gehört, trotz der verdienstvollen Studien von Fechner oder Schröter, noch immer zu den wenig bekannten mitteldeutschen Komponisten des 18. Jahrhunderts. 1746 wurde Gebel als „Concert Meister“ an den Hof in Rudolstadt berufen. Vier Jahre später, 1750, erhielt er den Titel des Kapellmeisters, in dessen Amt er bis zu seinem jähen Tod 1753 verweilte. In Anbetracht der Kürze seines Wirkens in Rudolstadt erwies sich Gebel als durchaus produktiver Komponist. In diesem Zeitraum schrieb er nicht weniger als zwei fast vollständige Kantatenjahrgänge, die jeweils über 70 Kantaten umfassen, und je ein Weihnachts- und ein Passions-Oratorium. Nur ein Jahr vor Wilhelm Friedemann Bach geboren, zählt Gebel zu dessen unmittelbaren Zeitgenossen. Darüber hinaus ergriffen beide zufällig im selben Jahr ihr neues Amt, der eine in Halle, der andere in Rudolstadt. Anhand ausgewählter Beispiele sollen das Kantatenwerk Gebels vorgestellt und eventuelle Charakteristika benannt werden. Von besonderem Interesse wird hierbei auch die in Rudolstadt gepflegte Liturgie sein, die sich am deutlichsten in den Chorälen Gebels niedergeschlagen haben wird. Abschließend soll ein Vergleich zu dem in Halle tätigen Bach-Sohn Wilhelm Friedemann gezogen werden.
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Wolfram Enßlin, Leipzig:
„Mit Ostern fange ich mit 2 neuen Jahrgängen an“. Aspekte zu Carl Philipp Emanuel Bachs Hamburger Kantatenschaffen

Als Musikdirektor der fünf Hamburger Hauptkirchen war Carl Philipp Emanuel Bach in erster Linie für die dort zu erklingende sonntägliche Figuralmusik zuständig. Hinzu kamen die jährlichen Passionsmusiken sowie die gesondert honorierten Gelegenheitsmusiken, beispielsweise anlässlich der Einführung neuer Prediger oder der Beerdigungen der Bürgermeister. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Georg Philipp Telemann bediente sich Bach in sehr starkem Maße fremder Kompositionen, bearbeitete sie bzw. verwendete sie, um neue Werke in Form von Pasticci zu kreieren. Die Anzahl von vollständig eigenen Kirchenkompositionen ist äußerst gering.
Drei Fragenkomplexen soll im Rahmen dieser Studie vornehmlich nachgegangen werden:
1. Inwieweit bestehen Unterschiede hinsichtlich Bachs Eigenanteil in den unterschiedlichen Werkgruppierungen seiner Kirchenmusik? Sind diese über die 20 Jahre seines Hamburger Wirkens in etwa gleichbleibend, oder zeichnen sich diesbezüglich Entwicklungen ab?
2. Folgt Bach in den von ihm aufgeführten Kantaten formal und strukturell der vorgegebenen Tradition Telemanns, soweit diese vor allen Dingen aus der Zeit der 1750er und 1760er Jahre bekannt ist, oder sind in den Kantaten für das Kirchenjahr, den Predigereinführungsmusiken und den Bürgermeistertrauermusiken gewisse Brüche zwischen Telemann und Bach erkennbar?
3. Inwieweit lassen sich Kriterien finden, die Vielfalt von Bachs Hamburger Kirchenmusik stilistisch zu fassen? Ist es möglich, von einem einheitlichen Hamburger Kirchenmusikstil Bachs zu sprechen?
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Kathrin Eberl-Ruf, Halle:
Untersuchungen zum Bestand protestantischer Kirchenkantaten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Marienbibliothek zu Halle

Der Beitrag widmet sich den in der Marienbibliothek zu Halle befindlichen mehr als 100 Manuskripten protestantischer Kirchenkantaten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es handelt sich hierbei u. a. um Werke von Georg Benda, Johann Heinrich Rolle, Johann Trier, Daniel Gottlob Türk, Johann Gottfried Vierling und Christian Ehregott Weinlig, die einen Ausschnitt des kirchenmusikalischen Schaffens im mitteldeutschen Raum und damit des Umfelds Wilhelm Friedemann Bachs widerspiegeln. Im Fokus der Betrachtung stehen die Kantaten des Zittauer Musikdirektors Johann Trier (1716–1790) und des Stadtorganisten von Schmalkalden Johann Gottfried Vierling (1750–1 813) als Beispiele für die Kirchenmusikpflege außerhalb der musikalischen Zentren Mitteldeutschlands.
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